Als der Kaiser
in den Waschzuber fiel
Heitere, düstere und blutige Geschichten rund um den Würzburger Dom
Melchior Zobel von Giebelstadt
Einen Fall von „Bishopnapping“ hatten sich übelwollende Geister für Melchior Zobel von Giebelstadt (1544-1558) ausgedacht. Bischof Melchior hatte schon länger gewisse Probleme mit den Verwandten eines seiner Vorgänger. Diese waren der Auffassung, dass ihnen eine Bistumspfründe zustehe. Da man ihnen dieselbe nicht geben wollte, schmiedeten sie den Plan, sie mit Gewalt zu erpressen. Der Raubritter von Grumbach verfiel dabei auf die Idee, den Bischof kurzerhand zu entführen („Bishopnapping“) und ihn nur gegen ein Lösegeld wieder herauszugeben.
So kam es, dass man Melchior hinterrücks auflauerte, als er gerade auf dem Rückweg vom Dom zur Festung über die Alte Mainbrücke kam. Doch die Begleiter Melchiors setzten sich überraschend stark zur Wehr. Das hatten sich die Angreifer von den Kirchentreuen nicht träumen lassen. Es kommt zu einem erbitterten Kampf, in dessen Verlauf der Bischof schwer verletzt wird. Bischof Melchior treibt sein Pferd mit letzter Kraft die Tellsteige hinauf hin zur Festung.
Doch er kann sich nicht mehr auf dem Tier halten, erschöpft stürzt er aus dem Sattel und schlägt auf dem harten Boden auf. Mit letzter Kraft schleppt sich der Bischof bis hinauf zum Schönborntor der Festung, dort bricht er völlig entkräftet zusammen. Bischof Melchior stirbt kurz vor den rettenden Toren der Festung Marienberg. Dort auf dem Fußweg zur Festung stehen noch heute die Gedenksäulen, die an das blutige Geschehen von damals erinnern. In Bildern sind die schrecklichen Ereignisse auch auf seinem Grabdenkmal zu sehen. Die Festung vor ihrer Renovierung durch Julius Echter kann man hier ebenfalls begutachten.