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360° Rundgang

durch den Dom

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Reportage

Führung mit viel Fingerspitzengefühl

Veranstaltung zum Sehbehindertensonntag lässt Würzburger Kathedrale mit allen Sinnen erfahrbar werden

Würzburg (POW) Ein halbes Dutzend Hände gleichzeitig berührt das metallene Tastmodell des Würzburger Doms in der Abendsonne. „Der Abstand zwischen den beiden Turmpaaren im Osten und Westen beträgt in Wirklichkeit 105 Meter, die Westtürme mit den Glocken sind stattliche 73 Meter hoch“, erklärt Domführerin Elisabeth Nickel. Rund 20 Personen umfasst die Gruppe aus dem Würzburger Blindeninstitut, die mit Gemeindereferentin Christine Weingärtner zu der besonderen Veranstaltung gekommen ist. Viele von ihnen tragen gelbe Armbinden mit drei schwarzen Punkten oder führen einen weißen Blindenstock mit sich. Für Menschen ohne Sehbeeinträchtigung ist gleich deutlich: Nicht wie sonst das Sehen, sondern die anderen Sinne, vor allem das Tasten, stehen im Mittelpunkt der Führung aus Anlass des Sehbehindertensonntags. Eingeladen haben die Dombesucherpastoral und die Abteilung Diakonische Pastoral im Bistum Würzburg.

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Am Kiliansportal wenige Schritte weiter darf eine Teilnehmerin ertasten, was oberhalb der Frankenapostel dargestellt ist. „Ist das ein länglicher Schädelknochen?“ Ja, bestätigt Nickel. Der Künstler, der das Bronzerelief schuf, wollte mit dem Tierschädel ein Symbol für den heidnischen Kult aufzeigen, der durch die Missionierung der irischen Mönche überwunden wurde. Nach und nach nähern sich die Gruppenmitglieder und tasten auch nach dem spitzen Hut, der Mitra, mit der Kilian abgebildet ist.

Als wohltuend kühl nehmen die Frauen und Männer das Weihwasser wahr, in das sie beim Becken im Langhaus des Doms die Fingerspitzen eintauchen. „Die Gläubigen bekreuzigen sich beim Eintreten in den Dom damit und werden an ihre Taufe erinnert“, erläutert Nickel den Zuhörerinnen und Zuhörern. Von der schieren Größe des siebenarmigen bronzenen Leuchters wenige Schritte weiter zeigt sich auch der nach eigenen Angaben 2,14 Meter große Christoph beeindruckt. Selbst mit ausgestreckten Armen und auf Zehenspitzen stehend kann er dessen oberes Ende nicht annähernd erreichen. „Wie werden denn die Kerzen am Leuchter angezündet?“, fragt eine Teilnehmerin. „Der Küster hat dafür ein spezielles Gasfeuerzeug an einer langen Stange“, sagt Domführerin Nickel.

Als noch beeindruckender erweist sich das mittelalterliche Taufbecken, das etwa 800 Jahre alt ist und Szenen aus dem Leben Jesu zeigt. „Ich kann viele Köpfe nebeneinander ertasten“, erzählt ein junger Mann. „Das ist die Darstellung von Pfingsten, als der Heilige Geist über die Jünger kommt. Besonders beeindruckend ist die Szene der Himmelfahrt Jesu. Am oberen Ende schauen noch Jesu Füße aus der Wolke heraus, am unteren Ende sind die Fußabdrücke zu erkennen.“ Ein junger Mann ist besonders interessiert: Im Schneidersitz tastet er Bild für Bild ab und umrundet dabei das Taufbecken. „Auf dieses Taufbecken ist, so heißt es in historischen Quellen, der Bischof Konrad Probus aus Toul im heutigen Frankreich bei einem Konzil im Jahr 1287 gestiegen und hat gegen eine Besteuerung der Bischöfe durch den Päpstlichen Legaten protestiert“, erzählt Nickel zum Erstaunen der Gruppe.

Zum Abschluss sperrt Alexandra Eck, Referentin für Dombesucherpastoral, der Gruppe noch die Domsakristei auf. „Man riecht den Weihrauch“, konstatiert eine nach dem anderen beim Betreten des Raums. Nickel reicht zwei Behälter mit verschiedenen Weihrauchsorten herum. Wer mag, darf ein Körnchen herausnehmen, es zwischen den Händen verreiben und den intensiven Duft genießen. „Mmmh“, „Oooh“, „Aaah“ schallt es durch den Raum. Als Krönung holt Eck den Kiliansstab, den Bischof Dr. Franz Jung bei besonderen Gottesdiensten als Bischofsstab verwendet, aus der Aufbewahrung und reicht ihn zum Betasten in die Runde. „Das sind die drei Frankenapostel in einem Boot“, erschallt es gleich aus mehreren Kehlen.

„Das war toll, ich hoffe, das gibt es bald einmal wieder“, erklärt eine Teilnehmerin beim Verlassen des Doms. „Ich bin sehr glücklich, dass ich heute so viel über den Dom habe erfahren dürfen. 1000 Jahre ist der alt, das muss man sich erst einmal bewusst machen“, sagt ein Mann mit breitem Grinsen im Gesicht.

Stichwort: Sehbehindertensonntag

Der Sehbehindertensonntag ist ein bundesweiter Aktionsmonat. Institutionen wie der Deutsche Sehbehindertenverband, die Deutsche Bischofskonferenz und das Katholische Blindenwerk wollen damit für die Belange sehbehinderter Menschen sensibilisieren sowie einen nachhaltigen Impuls für mehr Inklusion und Barrierefreiheit geben.

Markus Hauck (POW)

(2622/0761; E-Mail voraus)

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