Geistliches Wort zum Jahr 2010

Liebe Leserinnen und Leser,

nur wo Begeisterung aufkommt, kann der Funke überspringen! Nur wo Menschen sich von der Begeisterung anderer anstecken lassen, kann eine ausstrahlungskräftige Gemeinschaft wachsen. Das ist so in unserem Leben, das gilt auch für den Glauben.

Der Altar des Kiliansdomes birgt die Häupter der Frankenapostel Kilian, Kolonat und Totnan. Kilian muss ein begeisternder Glaubenszeuge gewesen sein, sonst wäre er nicht bis heute unvergessen im Frankenland. Im 7. Jahrhundert hielt es ihn nicht mehr in seiner Heimat Irland. Er brach auf und segelte mit seinen Gefährten auf das Festland, um hier den christlichen Glauben zu verkünden.

Begeisterung kommt sicherlich nur dann auf, wenn uns Menschen etwas entscheidend Neues aufgeht. Es gehört das Erwachen dazu und das Staunen, dass ich da in meinem bisherigen Leben etwas völlig übersehen habe, etwas, das mein Leben von nun an prägt und trägt, etwas, das mir in meinem Leben hilft und es erleichtert, so sehr, dass ich es nicht mehr missen möchte.

Was aber war das entscheidend Neue, das Kilian den Franken vor über 1300 Jahren gebracht hat, als er um das Jahr 680 hierher kam? Er hat die Menschen, die ihm in seiner Begeisterung für Jesus Christus folgten, aufgenommen in die Familie Gottes: er hat sie auf den Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes getauft. So blieb Kilian nicht allein. Viele haben sich ihm angeschlossen. Sie haben sich gegenseitig gestärkt, um gemeinsam den Sieg Jesu über das Leid und den Tod zu feiern so die Mühen und vielen kleinen Schläge und Niederlagen des Lebens miteinander zu teilen und sich gegenseitig Mut zu machen. Auch Kilian selbst war kein Einzelkämpfer gewesen: „Fest miteinander vereint brachen sie auf“ heißt es in der ältesten Lebensbeschreibung des Heiligen. Und es war ihm ein Herzensanliegen, viele weitere Mitstreiter für Gott zu finden. Kilian, Kolonat und Totnan stehen am Anfang einer Begeisterungswelle für Christus im Frankenland. Sie haben den Glauben ausgesät und er ist bei den Menschen aufgegangen: Ein Glaube, der den Menschen als etwas völlig Neues aufgegangen ist, als das „Finden eines Du, das mich trägt“ – wie es in unseren Tagen Papst Benedikt XVI. ausdrückt. Deswegen sind die Märtyrer Kilian, Kolonat und Totnan so hoch verehrt und der Dom mit den Kopfreliquien der Frankenapostel und das Neumünster mit der Kiliansgruft und dem Reliquienschrein der Heiligen Kilian, Kolonat und Totnan sind das Herzstück des Bistums Würzburg. Wer hierher kommt, kann sich des Anfangs der Glaubensgeschichte in Franken bewusst werden.

Herzlich lade ich Sie ein, im Dom und dem benachbarten Neumünster dieser Begeisterung für den Glauben an Jesus Christus zu begegnen, den die Frankenapostel Kilian, Kolonat und Totnan im Frankenland grundgelegt haben,

Ihr Dr. Jürgen Vorndran, Dompfarrer

 

Dompfarrer Dr. Jürgen Vorndran