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Dokumentation

„Dein Indien ist Würzburg“

Grußwort von Bischof Dr. Franz Jung bei der Pontifikalvesper zum 75. Geburtstag von Weihbischof Ulrich Boom am Sonntag, 25. September, im Würzburger Kiliansdom

Lieber Weihbischof Ulrich,

wir feiern heute Abschied, der kein Abschied ist. Denn Du wirst Dich selbst vertreten, da der Heilige Vater Dich bittet, Deines Amtes weiterhin zu walten bis ein Nachfolger ernannt ist. Danke für Deine Bereitschaft, in die Verlängerung zu gehen, auch wenn das alles andere als selbstverständlich ist. Ich weiß das sehr zu schätzen, denn es ist für mich eine große Entlastung.

Und dennoch feiern wir Abschied. Das darf man getrost, wenn man das 75. Lebensjahr erreicht hat – ein Alter, in dem andere schon zehn Jahre im Ruhestand sind. Abschiede sind Anlässe dazu, Rückschau zu halten. Ich möchte das unter drei Aspekten tun. Sie entsprechen den drei Bezeichnungen für Dein Amt, die da lauten „Weihbischof“, „Episcopus Auxiliaris“ und „Titularbischof“.

Der Weihbischof

Beginnen wir mit dem „Weihbischof“ Ulrich. Die vornehmste Aufgabe des Weihbischofs ist es, den Diözesanbischof bei der Spendung der Sakramente und der Sakramentalien zu unterstützen. Das gilt vor allem für die Spendung des Firmsakramentes. Als ich neu ins Amt kam, bat ich Dich, mich in den ersten Jahren gerade hier zu entlasten. So konnte ich das Bistum bereisen und die Dekanate und Pastoralen Räume mit den hauptamtlichen wie ehrenamtlichen Mitarbeitenden kennenlernen, während die Jugend dennoch ihre verdiente Aufmerksamkeit erhielt.

Zahllose Jugendliche hast Du so in den vergangenen dreizehn Jahren gefirmt und ermutigt, ihren Glauben mit Entschiedenheit zu leben. Der Kontakt mit den jungen Menschen war Dir immer wichtig, weil ihre Fragen uns herausfordern, nach neuen Weisen des Zugangs zu Glauben und Kirche zu suchen. Die Begegnung mit der jungen Generation hält jung und erinnert uns daran, nicht stehen zu bleiben; das zumindest war das Resümee, das Du immer wieder gezogen hast.

Ich bin Dir, lieber Ulrich, sehr zum Dank verpflichtet, dass Du diesen Weg gegangen bist und mir dadurch zugleich Freiraum geschaffen hast, mich gut einzuarbeiten, so dass ich sehr schnell die anstehenden Aufgaben anpacken konnte und kann.

Einen großen Vertrauensvorschuss bedeutete Deine Wahl zum Diözesanadministrator durch das Domkapitel während der Zeit der Sedisvakanz. Soweit ich das beurteilen kann, hast Du diese Aufgabe nicht nur gerne, sondern auch zuverlässig ausgefüllt. So traf ich ein bestelltes Haus an, was mir den Einstieg sehr erleichtert hat. Danke für Deine Loyalität, aber auch für alle Unterstützung, um gut im Bistum Würzburg anzukommen.

Der Episcopus Auxiliaris

Der „Episcopus Auxiliaris“, der „Bischof zur Unterstützung des Ordinarius“ heißt so, weil er immer auch eine verantwortliche Aufgabe in Leitung eines Bistums innehat. Du warst von 2010 bis zum Jahr 2020 Bischofsvikar für die Seelsorge und damit Leiter der größten Hauptabteilung im Bischöflichen Ordinariat. Damit hattest Du eine Schlüsselstellung inne für die pastoralen Prozesse in unserem Bistum in einer wichtigen Zeit des Übergangs. In dieser Zeit ging es vor allem darum, den Prozess der Bildung von Pfarreiengemeinschaften weiter voranzutreiben. Das ist Dir und Deinen Mitarbeitenden in der Hauptabteilung II / Seelsorge gut gelungen. Die Pfarreiengemeinschaften bilden auch in den neuen Pastoralen Räumen wichtige Bezugsgrößen für viele Gläubige, auch wenn Seelsorge sich künftig breiter aufstellen muss.

Wichtig für die Durchführung dieser Aufgabe war Deine reiche Erfahrung als Pfarrer in Baunach, Frammersbach und Miltenberg. Durch die Erdung in der pastoralen Praxis hast Du Dir einen nüchternen Realitätssinn bewahrt. Der verliert nicht gleich den Mut, wenn etwas nicht beim ersten Anlauf gelingt, aber er schraubt auch die Erwartungen nicht zu hoch, sondern rechnet geduldig mit langsamem Wachstum.

Einbringen konntest Du diese Erfahrungen auch in die Beratungen der Pastoralkommission, der Liturgiekommission und der Kommission für Schule und Erziehung der Deutschen Bischofskonferenz.

Eigene Akzente hast Du gesetzt mit der jährlichen Gestaltung der Kiliani-Woche. Wer den Organisationsaufwand kennt, weiß, was das heißt. Mit einem schlagkräftigen und eingespielten Team hast Du die Vorbereitungen jeweils stemmen können. Phantasie und Kreativität konntest Du und konntet ihr unter Beweis stellen bei der Gestaltung der Kiliani-Wochen in Zeiten von Covid-19. Auch wenn die Einschnitte durch die Pandemie schmerzlich waren, hast Du und habt ihr dafür Sorge getragen, dass die Tradition dieser für das Bistum so wichtigen Woche nicht abgerissen ist.

Dass kreativ gestaltete und gefeierte Liturgie auch unter den Umständen der Pandemie besondere Strahlkraft entwickeln kann, haben wir bei der beeindruckenden Feier des Fronleichnamsfestes 2020 auf dem Residenzplatz erlebt, der Du als Hauptzelebrant vorgestanden hast.

Im Grunde Deines Herzens hast Du Deine Freude am Pfarrersein aber nie verleugnet. Der direkte Kontakt zu den Menschen als Seelsorger ist Dir wichtig. Daher rührt auch Deine Arbeit mit den Gefangenen. Regelmäßig bietest Du in der JVA Bibelkreise an, um Menschen auf der Suche nach einer Neuorientierung im Leben Halt und Zuversicht zu schenken. Ein sehr schönes und sehr beeindruckendes Zeugnis.

War es etwa dieses Engagement, was Dich dafür qualifizierte, zum Beauftragten der Deutschen Bischofskonferenz für das Jahr der Barmherzigkeit ernannt zu werden?

Ich weiß es nicht. Ich weiß nur, dass ich Dich gerade in dieser Funktion zum ersten Mal kennenlernte als leidenschaftlichen Seelsorger. Denn Du hieltest im Jahr 2016 einen beeindruckenden Vortrag vor den versammelten Leitungsspitzen der katholischen und der protestantischen Kirche in Ludwigshafen im Bistum Speyer, der noch lange nachhallte und zur Auseinandersetzung einlud.

Und noch eines zeichnet den Bischofsvikar für die Seelsorge aus, die Leidenschaft für das Pilgern. Der fränkischen Jakobusgesellschaft gilt Deine Aufmerksamkeit genauso wie dem Pilgern selbst. Was könnte in einem Wallfahrtsbistum wie dem unsrigen und in einer Zeit, in der Menschen auf der Suche sind wie nie zuvor, passender sein? Immerhin erlaubt Dir Deine robuste Gesundheit, noch große Wegstrecken zurückzulegen. Möge Dir das noch möglichst lange erhalten bleiben!

Der Titularbischof

Fehlt uns zum Schluss noch der „Titularbischof“. Denn als Weihbischof wird man auf eine Diözese geweiht, die früher einmal bestanden hat, heute aber als Bischofssitz erloschen ist. Da diese ehemaligen Bistümer in vorwiegend nichtchristlichen Regionen liegen, wie dein Bistum Sullectum im heutigen Tunesien, sprach man früher von den Bischöfen „in partibus infidelium“, den Bischöfen in den „Gegenden der Ungläubigen“.

Gerade Letzteres kann aber nicht mehr als Alleinstellungsmerkmal der Weihbischöfe gelten. Wir leben in einem Land, in dem die Christen nunmehr weniger als die Hälfte der Bevölkerung ausmachen. Wir werden uns an die Diasporasituation gewöhnen müssen als den Normalzustand christlicher Existenz. Das war Dir immer bewusst.

Nicht umsonst galt Dein Interesse der schulischen Glaubensvermittlung im Religionsunterricht, ein Interesse, dem Du durch Deine Mitarbeit in der bayerischen Schulbuchkommission Ausdruck verliehen hast. Auch Dein Engagement im Deutschen Katechetenverein war dem Bemühen geschuldet, in einem säkularen Zeitalter anderen Menschen den Glauben nahe zu bringen. Eine Verzagtheit habe ich bei Dir aber nie gespürt. Vielmehr begreifst Du diese Situation als Einladung, den Glauben neu zu denken und beherzt neue Wege der Verkündigung zu suchen.

Der Titularbischof Ulrich erinnert uns auf diese Weise daran, dass Kirche immer größer und weitergedacht werden muss als in den Grenzen des bestehenden Bistums Würzburg. Das gilt es für die Gestaltung unserer Pastoralen Räume zu bedenken und weiter zu denken!

Dein Indien ist Würzburg…

Lieber Ulrich,

Ich weiß, es wäre Dein Herzenswunsch gewesen, nach der Erfüllung Deiner nicht immer selbst gewählten Amtspflichten noch einmal etwas ganz Neues zu beginnen. Du erzähltest mir, Dir habe ein Einsatz als Seelsorger für eine deutsche Auslandsgemeinde vorgeschwebt. Daraus wird nun nichts. Dein Lebensalter übersteigt das zulässige Höchstalter für solche Einsätze bei weitem.

Da kommt mir der Traum des Philipp Neri in den Sinn, dem einst vorschwebte, nach dem Vorbild des Franz Xaver auch nach Indien zu reisen und dort missionarisch zu wirken. Neris angeschlagener Gesundheitszustand ließ dies nicht zu, worüber er untröstlich war. Da wurde ihm in einem Wort des Herrn gesagt: „Philipp, dein Indien ist Rom!“ So wage ich, Dir heute zuzurufen: „Ulrich, dein Indien ist Würzburg!“

Wir freuen uns, Dich in unserer Mitte zu wissen, mit Dir Gottesdienst zu feiern und aus Deinem reichen Erfahrungsschatz, aber auch von Deiner Gelassenheit zu lernen – gerade jetzt, in diesen bewegten Jahren des Umbruchs!

Nunc pro tunc

Ein Letztes. Dein Ruhestandsgesuch wurde „nunc pro tunc“ angenommen. Das heißt übersetzt: „Jetzt für später“. Das wiederum bedeutet, dass der Ruhestand grundsätzlich angenommen wird, aber erst später eintritt, dann nämlich, wenn ein neuer Weihbischof ernannt ist.

„Nunc pro tunc“ – „jetzt für später“: Das ist nicht nur eine kirchenrechtliche Formel für Rücktrittsgesuche. „Jetzt für später“ beschreibt vielmehr zutreffend unser Dasein als Glaubende. Wir leben in der Gegenwart, im Jetzt, und handeln im Vorgriff auf ein Später. Im Glauben wissen wir um den „neuen Himmel und die neue Erde“ (2Petr 3,13), die Christus heraufgeführt hat durch seinen Tod und seine Auferstehung. Später werden der neue Himmel und die neue Erde einmal allen offenbar werden. Aber im Jetzt ist es uns aufgetragen, diese Zukunft schon in unserem Handeln vorwegzunehmen. So zeigen wir, dass wir niemanden vertrösten, sondern ernst machen mit der neuen Wirklichkeit, die Gott für uns bereithält.

Immer wieder erinnerst Du daran, dass die Welt „keine Bedenkenträger, sondern Hoffnungsträger“ braucht. Du verstehst Dich selbst als ein solcher und ermutigst dazu, auch ungewohnte Wege zu gehen „nunc pro tunc“, „jetzt für später“.

Danke für diese Erinnerung. Ich wünsche Dir jetzt gesegnete Jahre des wohlverdienten Ruhestandes, auch wenn sie erst etwas später beginnen werden...

Danke, lieber Ulrich, für Deinen bischöflichen Dienst und alle Unterstützung!