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Generationenwechsel braucht Mut zur Veränderung

Auf dem Weg zum Katholikentag
Partnerschaften mit Tansania und Brasilien als Beispiel „lebendiger Tradition“– Bischof Dr. Franz Jung warnt vor Stillstand in Kirche und Gesellschaft – Bronzeplaketten für die Kathedralen als Zeichen der Verbundenheit

Würzburg (POW) Bischof Dr. Franz Jung hat einen gelingenden Generationenwechsel in Kirche und Gesellschaft als große Herausforderung bezeichnet. Übergänge zwischen alten und neuen Verantwortungsträgern seien „immer ein prekärer Moment“, sagte er am Sonntag, 10. Mai, in seiner Predigt beim Pontifikalamt anlässlich der Partnerschaft mit Mbinga und Óbidos im Würzburger Kiliansdom. Das gelte für Familienunternehmen ebenso wie für Vereine, Behörden oder Ordensgemeinschaften. An dem Gottesdienst nahmen auch Delegationen aus den Partnerbistümern Mbinga in Tansania und Óbidos in Brasilien teil, die für den 104. Deutschen Katholikentag angereist sind. Im Burkardushaus überreichte Bischof Jung im Anschluss Vertretern der beiden Partnerbistümer jeweils eine bronzene Plakette. Diese sollen in den Kathedralen von Würzburg, Mbinga und Óbidos angebracht werden und so auch ein sichtbares Zeichen der Verbindung über drei Kontinente hinweg sein. Bei einer Statio in der Krypta des Doms gedachte der Bischof auch seines am 10. Mai 2019 verstorbenen Vor-Vorgängers Dr. Paul-Werner Scheele.

Häufig scheitere ein Generationenwechsel daran, dass die bisher Verantwortlichen nicht loslassen könnten, erklärte Bischof Jung in seiner Predigt. Zugleich müssten die Nachfolgenden die Freiheit haben, „Dinge anders zu machen“, sagte er. Veränderung sei notwendig, um der ursprünglichen Mission treu zu bleiben. Mit Blick auf das Evangelium sagte Bischof Jung, auch Jesus habe seine Jünger auf die Zeit nach seinem Weggang vorbereitet. Entscheidend sei dabei der „Geist der Wahrheit“, der helfe, zwischen bloßer Anpassung an den Zeitgeist und starrem Traditionalismus zu unterscheiden.

Als Beispiel für eine gelungene Weiterentwicklung nannte der Bischof die Partnerschaften des Bistums Würzburg mit den Diözesen Mbinga in Tansania und Óbidos in Brasilien. Aus früheren missionarischen „Patenschaften“ sei eine „echte Partnerschaft auf Augenhöhe“ geworden. Heute profitierten alle Seiten von einem gegenseitigen Lernen und direktem Austausch zwischen Gemeinden, Schulen und Ordensgemeinschaften. „Das ist lebendige Tradition: die Dankbarkeit für den Ursprung und die früheren Verantwortungsträger, die Freude über die Weiterentwicklung über die Jahre, und jetzt das schöne Miteinander im Geben und Nehmen, von dem alle profitieren.“ Die Kirche müsse sich immer wieder neu positionieren, ohne ihre Grundlagen zu verraten, sagte der Bischof. Dazu gehörten auch schwierige ethische Fragen etwa zum assistierten Suizid oder zur politischen Haltung der Kirche.

Für den wegen Problemen bei den diözesanen Krankenhäusern verhinderten Bischof Bernardo Johannes Bahlmann von Óbidos grüßte der Priester Érisson Silva Santos die Gläubigen. „Möge unsere Partnerschaft in den Punkten Gemeinschaft, Missionarschaft und gegenseitige Fürsorge ein Vorbild sein für andere Diözesen.“ Den Gottesdienst gestalteten die Gäste aus Óbidos und Mbinga unter anderem mit einem brasilianischen Tanz, bei dem das Evangeliar durch den Dom zum Altar gebracht wurde, und einer Gabenprozession, bei der eine Gruppe aus Mbinga Kaffee, Avocados und Bananen nach vorne trug. Außerdem gaben beide Nationen musikalische Einlagen aus ihrer Heimat. Die beiden Lesungen im Gottesdienst und die Fürbitten wurden auf Portugiesisch und Kisuaheli vorgetragen.

Domkapitular Albin Krämer, Leiter der Hauptabteilung Seelsorge, wünschte beim Empfang im Burkardushaus den drei Partnerbistümern Würzburg, Mbinga und Óbidos, dass sie immer mehr von den jeweiligen Lebensbedingungen wissen, füreinander beten und sich im Glauben getragen wissen sowie aus dem Geist des Evangeliums heraus handeln, ganz nach dem Motto des 104. Deutschen Katholikentags: „Hab Mut, steh auf!“ Videos aus Óbidos und Mbinga gaben Einblicke in den Alltag der Menschen in Brasilien und Tansania.

Die Weltwärts-Freiwilligen Ryan Gustavo Souza da Silva aus Óbidos und Oliva Paulus Hyera aus Mbinga dankten für die in ihrer jeweiligen Heimat besondere Gelegenheit, in Deutschland eine neue Kultur und Sprache kennenzulernen. Maria Zepke, Referentin für den Weltfreiwilligendienst beim Bund der Deutschen Katholischen Jugend (BDKJ) im Bistum Würzburg, erklärte, durch den Einsatz von jungen Menschen aus Deutschland in Brasilien und Tansania und umgekehrt seien viele tiefe Freundschaften entstanden, die zum Teil schon seit Jahrzehnten Bestand hätten. Lameck Lawrence Nilongo aus Mbinga erklärte, zwischen den Partnerbistümern herrsche heute gegenseitiges Vertrauen und echter Zusammenhalt.

Nach den vielen vertrauensvollen Besuchen der Bischöfe in den drei Bistümern – beispielsweise besuchte Bischof Jung gemeinsam mit Bischof Ndimbo Óbidos – sei es jetzt an der Zeit, die Partnerschaft zwischen den drei Bistümern dauerhaft sichtbar zu machen, erklärte Bischof Jung. Er habe seit seinem Amtsantritt nicht zuletzt auch beim Weltjugendtag 2023 in Lissabon, zu dem Würzburg Gruppen aus beiden Partnerdiözesen mitnahm, erlebt, wie bereichernd und verbindend das Miteinander sich entwickele. Er übergab die Partnerschaftsplaketten an Bischof Ndimbo und Pfarrer Jorge Armado Pereira. Die Kunstwerke haben jeweils einen Durchmesser von etwa 30 Zentimetern, sind aus Bronze und wiegen etwa acht Kilogramm. Zu sehen sind die drei beteiligten Kontinente, verbunden mit einer Linie, die einem großen Dreieck gleicht. Am Rand sind die Namen der Diözesen verzeichnet. Entworfen und hergestellt wurden die Plaketten von der Goldschmiede in Münsterschwarzach. Alexander Sitter vom Referat Weltkirche dankte dem Goldschmied Andreas Jurowski für die gute Zusammenarbeit.

Bischof Ndimbo sagte, die Bistumspartnerschaft habe die vor 37 Jahren angezielten Erwartungen mehr als erfüllt. Dafür sei er Gott und allen Menschen, die sich dafür einsetzten, sehr dankbar. Bischof Ndimbo zeigte sich sicher: „Die nächsten 37 Jahre werden nochmals besser. Dafür erbitte ich Gottes Segen.“

Susanne Warmuth und Klaus Veeh, welche die Partnerschaften mit Óbidos und Mbinga in den Anfängen begleiteten, zeigten sich zuversichtlich, dass sich die Verbindung weiter vertiefe. „Unsere Begegnungen – hoffentlich immer mit genügend Zeit für angenehme Dinge wie Tanz und Musik – sind ein gutes Gegenbeispiel für die leider allgegenwärtigen Konflikte in der Welt“, sagte Warmuth. „Wenn wir wie Jesus mit den Emmaus-Jüngern auf dem Weg miteinander gehen, dann bin ich mir sicher, dass alle Beteiligten die Begeisterung spüren, die wir in den Anfängen gespürt haben“, erklärte Veeh.

Am Nachmittag schloss sich ein Partnerschaftsfest im Würzburger Kilianeum an.

mh (POW)

(2026/0468; E-Mail voraus)

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